Vor 60 Jahren...

Leipziger Messe 1959
Fotograf: Unbekannt

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Links: Nikita Chrustschow
Rechts: Dr. Wilhelm Lehfeld




Text - Quelle:
Starkenburger Echo
08.02.2007
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Von Oberbayern nach Heppenheim
Gedenken: Wilhelm Lehfeldt wäre heute 100 Jahre alt geworden – Vor 60 Jahren die Firma KLN gegründet
HEPPENHEIM. Vielen Bürgern Heppenheims ist der Name Dr. Wilhelm Lehfeldt sicher noch geläufig. Am 8. Februar wäre er 100 Jahre alt geworden. Sein Name ist insbesondere mit der in Heppenheim ansässigen Firma KLN, vormals Dr. Lehfeldt & Co. GmbH verbunden. Dieses auf dem Spezialgebiet der Ultraschalltechnik inzwischen weltweit bekannte Unternehmen wurde 1947, also noch vor der Währungsreform, in einer denkbar schwierigen Zeit von ihm gegründet. In diesem Jahr wird somit auch das sechzigjährige Bestehen der KLN gefeiert.
Wilhelm Lehfeldt wurde 1907 in Allenstein/Ostpreußen als Sohn eines preußischen Beamten geboren. Er studierte Physik in Berlin und Göttingen, damals weltbekannten Hochburgen der Naturwissenschaften. Nach der Promotion musste er kriegsbedingt die Hochschullaufbahn abbrechen. Er übernahm eine Tätigkeit als Laborleiter bei Siemens in Berlin, wo er sich mit Halbleiter- und Hochfrequenztechnik befasste. Gegen Ende des Krieges wurde sein Labor mit allen Mitarbeitern in das bombensicherere Oberbayern verlagert. Nach Kriegsende sammelte Lehfeldt die Reste der ehemaligen Siemens-Mitarbeiter und gründete in Marquartstein (Oberbayern) als eigene Firma die Dr. Lehfeldt & Co. GmbH. Die geschäftliche Basis bildeten zunächst nur Ultraschallgeräte für medizinische Anwendungen.
Mit dem wirtschaftlichen  Aufschwung wurde das Programm des jungen Unternehmens jedoch rasch erweitert. Bald umfasste das Programm fast alle heute wichtigen, damals aber noch völlig neuen industriellen Anwendungen des Ultraschalls. Bedeutende Impulse  und wissenschaftliche Beiträge leistete sein Schwager Professor Reimar Pohlman, der im Hochschulbereich zu den Pionieren der Ultraschallforschung gehörte. Die hohen Entwicklungskosten, die für das ambitionierte Produktionsprogramm erforderlich waren, zwangen Wilhelm Lehfeldt dazu, einen kapitalkräftigen Teilhaber in das Unternehmen aufzunehmen und später sogar auf die finanzielle Majorität zu verzichten. Außerdem wurde die Verlagerung des Betriebs in eine zentralere Lage erforderlich.
Bei der Wahl des neuen Standorts hatte Heppenheim sehr bald eine hohe Priorität. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass die Fabrikräume in der vormaligen „Alten Nudel“ in der Fürther-    Straße gerade leer standen. Die freundlichen Menschen, die schöne Landschaft an der Bergstraße und die guten Weine erleichterten Lehfeldt die Entscheidung für den Umzug nach Heppenheim im Jahr 1951. Für die damals noch wenig industrialisierte Region bedeutete die Ansiedlung des Unternehmens mit vielen neuen Arbeitsplätzen einen großen Gewinn.
In den sechziger Jahren ging Lehfeldt eine Kooperation und Kapitalverflechtung mit zwei befreundeten Unternehmen ein, die auf ergänzenden Gebieten des Ultraschalls tätig waren. Nach den Initialen aller drei zusammengeschlossenen Unternehmen wurde der Firmenname in KLN geändert. Die Geschicke der Firma hat Lehfeldt bis zu seiner Pensionierung 1969 als Geschäftsführer geprägt. Mit seinem Ausscheiden verkaufte er die letzten Geschäftsanteile. Sein umfassendes Know-how verewigte er in zahlreichen technisch-wissenschaftlichen Veröffentlichungen.
Inzwischen hat die Firma KLN viele Entwicklungen in der Ultraschalltechnik weiter vorangebracht. Auch das Produktspektrum wurde erweitert. Seit vielen Jahren sind die Produkte der KLN und damit der Standort Heppenheim weltweit verbreitet. Bald wird sich KLN in einem neuen Gewand zeigen, wenn der Auszug aus der „Alten Nudel“ in einen schönen Neubau in der Weststadt an der Tiergartenstraße erfolgt. Bei alledem sollte aber nicht vergessen bleiben, dass der Pionier und Gründer Wilhelm Lehfeldt die Grundlagen geschaffen hat.
Nicht nur als Unternehmer ist Lehfeldt in die Wirtschaftsgeschichte Heppenheims eingegangen. Kurz nach dem Ausscheiden aus seiner Firma hat er die schwierige Aufgabe übernommen, den neu gegründeten Kulturkreis Heppenheim – das heutige Forum Kultur – ehrenamtlich zu leiten. Bereits bei der Gründung hat er sich maßgeblich engagiert. Als begeisterter Musikliebhaber waren ihm neben Vorträgen und Dichterlesungen die Kammermusikabende ein besonderes Anliegen. Dabei legte er größten Wert auf ein anspruchsvolles Programm, andererseits setzte er sich dafür ein, dass vorrangig jungen Künstlern eine Chance zum Auftritt geboten wurde. Lehfeldt hatte erkannt, dass die Förderung junger Künstler eine stark vernachlässigte Aufgaben im hektischen Kulturbetrieb ist.
Alle, die Wilhelm Lehfeldt begegnet sind, werden sich an seine starke, vitale und entscheidungsfreudige Persönlichkeit erinnern, vielleicht auch an seine zuweilen verletzend wirkenden Ecken und Kanten, die häufig mit charaktervollen Persönlichkeiten verbunden sind. Im letzten Lebensjahr war er durch Krankheit schwer gezeichnet und beeinträchtigt. Er starb am 22. November 1982. Auch wenn sein Grab nicht auf dem Friedhof in Heppenheim zu finden ist – er wurde in der Familiengrabstätte seiner Ahnen in Frankfurt beigesetzt – so wird man ihn doch als eine große Persönlichkeit und einen verdienten Bürger von Heppenheim im Gedächtnis behalten.