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Von Oberbayern nach Heppenheim
Gedenken: Wilhelm Lehfeldt wäre heute 100 Jahre alt geworden – Vor 60 Jahren die
Firma KLN gegründet
HEPPENHEIM. Vielen Bürgern Heppenheims ist der Name Dr. Wilhelm Lehfeldt sicher noch
geläufig. Am 8. Februar wäre er 100 Jahre alt geworden. Sein Name ist insbesondere mit der
in Heppenheim ansässigen Firma KLN, vormals Dr. Lehfeldt & Co. GmbH verbunden. Dieses
auf dem Spezialgebiet der Ultraschalltechnik inzwischen weltweit bekannte Unternehmen
wurde 1947, also noch vor der Währungsreform, in einer denkbar schwierigen Zeit von ihm
gegründet. In diesem Jahr wird somit auch das sechzigjährige Bestehen der KLN gefeiert.
Wilhelm Lehfeldt wurde 1907 in Allenstein/Ostpreußen als Sohn eines preußischen Beamten
geboren. Er studierte Physik in Berlin und Göttingen, damals weltbekannten Hochburgen der
Naturwissenschaften. Nach der Promotion musste er kriegsbedingt die Hochschullaufbahn
abbrechen. Er übernahm eine Tätigkeit als Laborleiter bei Siemens in Berlin, wo er sich mit
Halbleiter- und Hochfrequenztechnik befasste. Gegen Ende des Krieges wurde sein Labor mit
allen Mitarbeitern in das bombensicherere Oberbayern verlagert. Nach Kriegsende sammelte
Lehfeldt die Reste der ehemaligen Siemens-Mitarbeiter und gründete in Marquartstein
(Oberbayern) als eigene Firma die Dr. Lehfeldt & Co. GmbH. Die geschäftliche Basis bildeten
zunächst nur Ultraschallgeräte für medizinische Anwendungen.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wurde das Programm des jungen Unternehmens jedoch
rasch erweitert. Bald umfasste das Programm fast alle heute wichtigen, damals aber noch
völlig neuen industriellen Anwendungen des Ultraschalls. Bedeutende Impulse und
wissenschaftliche Beiträge leistete sein Schwager Professor Reimar Pohlman, der im
Hochschulbereich zu den Pionieren der Ultraschallforschung gehörte. Die hohen
Entwicklungskosten, die für das ambitionierte Produktionsprogramm erforderlich waren,
zwangen Wilhelm Lehfeldt dazu, einen kapitalkräftigen Teilhaber in das Unternehmen
aufzunehmen und später sogar auf die finanzielle Majorität zu verzichten. Außerdem wurde die
Verlagerung des Betriebs in eine zentralere Lage erforderlich.
Bei der Wahl des neuen Standorts hatte Heppenheim sehr bald eine hohe Priorität. Ein
glücklicher Zufall wollte es, dass die Fabrikräume in der vormaligen „Alten Nudel“ in der Fürther-
Straße gerade leer standen. Die freundlichen Menschen, die schöne Landschaft an der
Bergstraße und die guten Weine erleichterten Lehfeldt die Entscheidung für den Umzug nach
Heppenheim im Jahr 1951. Für die damals noch wenig industrialisierte Region bedeutete die
Ansiedlung des Unternehmens mit vielen neuen Arbeitsplätzen einen großen Gewinn.
In den sechziger Jahren ging Lehfeldt eine Kooperation und Kapitalverflechtung mit zwei
befreundeten Unternehmen ein, die auf ergänzenden Gebieten des Ultraschalls tätig waren.
Nach den Initialen aller drei zusammengeschlossenen Unternehmen wurde der Firmenname in
KLN geändert. Die Geschicke der Firma hat Lehfeldt bis zu seiner Pensionierung 1969 als
Geschäftsführer geprägt. Mit seinem Ausscheiden verkaufte er die letzten Geschäftsanteile.
Sein umfassendes Know-how verewigte er in zahlreichen technisch-wissenschaftlichen
Veröffentlichungen.
Inzwischen hat die Firma KLN viele Entwicklungen in der Ultraschalltechnik weiter
vorangebracht. Auch das Produktspektrum wurde erweitert. Seit vielen Jahren sind die
Produkte der KLN und damit der Standort Heppenheim weltweit verbreitet. Bald wird sich KLN
in einem neuen Gewand zeigen, wenn der Auszug aus der „Alten Nudel“ in einen schönen
Neubau in der Weststadt an der Tiergartenstraße erfolgt. Bei alledem sollte aber nicht
vergessen bleiben, dass der Pionier und Gründer Wilhelm Lehfeldt die Grundlagen geschaffen
hat.
Nicht nur als Unternehmer ist Lehfeldt in die Wirtschaftsgeschichte Heppenheims
eingegangen. Kurz nach dem Ausscheiden aus seiner Firma hat er die schwierige Aufgabe
übernommen, den neu gegründeten Kulturkreis Heppenheim – das heutige Forum Kultur –
ehrenamtlich zu leiten. Bereits bei der Gründung hat er sich maßgeblich engagiert. Als
begeisterter Musikliebhaber waren ihm neben Vorträgen und Dichterlesungen die
Kammermusikabende ein besonderes Anliegen. Dabei legte er größten Wert auf ein
anspruchsvolles Programm, andererseits setzte er sich dafür ein, dass vorrangig jungen
Künstlern eine Chance zum Auftritt geboten wurde. Lehfeldt hatte erkannt, dass die Förderung
junger Künstler eine stark vernachlässigte Aufgaben im hektischen Kulturbetrieb ist.
Alle, die Wilhelm Lehfeldt begegnet sind, werden sich an seine starke, vitale und
entscheidungsfreudige Persönlichkeit erinnern, vielleicht auch an seine zuweilen verletzend
wirkenden Ecken und Kanten, die häufig mit charaktervollen Persönlichkeiten verbunden sind.
Im letzten Lebensjahr war er durch Krankheit schwer gezeichnet und beeinträchtigt. Er starb
am 22. November 1982. Auch wenn sein Grab nicht auf dem Friedhof in Heppenheim zu finden
ist – er wurde in der Familiengrabstätte seiner Ahnen in Frankfurt beigesetzt – so wird man ihn
doch als eine große Persönlichkeit und einen verdienten Bürger von Heppenheim im
Gedächtnis behalten.
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