Verfahrensbeschreibung für Thermisches Nieten
1. Einleitung
Durch das Nieten werden unlösbare formschlüssige Verbindungen hergestellt. Die Verbindung wird
durch das Um- bzw. Urformen des thermoplastischen Kunststoffes erreicht. Bei diesem Verfahren
werden meist nur punkt- oder segmentartige Fügenähte realisiert. Im Gegensatz zum Schweißen
von zwei Bauteilen können keine dichten Verschweißungen erreicht werden. Eine besondere
Variante dieses Verfahrens ist das Fügen von Kunststoffen mit Metallen, Textilien und Pappe.
Nieten von Kunststoffen
Eigenschaften
- Fügen der Bauteile durch Um- oder Urformen
- Herstellung einer punkt- bzw. segmentartigen Fügenaht
- Überlappung der Fügenaht erforderlich
- Ein Fügepartner muss ein Durchgangsloch aufweisen
Vorteile
- Verbringungen von artfremden und gleichen Kunststoffen
- Verbindungen von Kunststoffen mit Metallen, Textil oder Pappe
- Kostengünstige Montage- bzw. Verbindungstechnik
Im Gegensatz zum Ultraschall-Nieten lässt sich das thermische Nieten problemlos bei
Blech/Kunststoff– Verbindungen anwenden, da keine schwingenden Werkzeuge die Bleche
berühren und somit die Verbindung gefährden. Besonders bei schweißtechnisch kritischen
Kunststoffen wie POM oder PAGF, die beim Ultraschall–Nieten zum Verspröden neigen, erzielt
das thermische Nieten eine sehr hohe Fügequalität. Von großem Nutzen ist das Verfahren auch
dort, wo Verschmutzungen der Teile durch ein Abspalten versprödeter Partikel aus
Sicherheitsgründen unbedingt vermieden werden müssen.
2. Verfahrenstechnik
Verfahrenstechnisch ist zwischen dem Warmumform-, Heißstempel- und Heißluftnieten zu
unterscheiden. In der Praxis wird die Wärmeeinbringung durch Wärmeleitung und durch Konvektion
erreicht. Als Beispiel für die Wärmeeinbringung durch Wärmeleitung kann das
Heizelementschweißen angeführt werden. Bei der Wärmeeinbringung durch Konvektion kann die
gezielte Erwärmung mit Hilfe eines Heißluftstrom ausgeführt werden.
Konvektion Wärmeleitung
2.1 Warmumformnieten
Das Warmumformnieten wird in der Regel als Eintaktprozess durchgeführt. Beim einfachsten
dieser Verfahren erwärmt ein Heizstempel den Nietzapfen und formt im selben Prozessschritt
unter Druck den Nietkopf aus.
Nach dem Ausformen wird der Stempel abgehoben und der geformte Kopf kühlt frei auf
Umgebungstemperaturneviau ab. Insbesondere durch die lange Kühlphase kommt es zu einem
verstärkten Relaxationsprozess des Kunststoffes. Um die Material- Rückstellung des angeformten
Kopfes gering zu halten, sollte die Niettemperatur sehr genau eingestellt werden.
Sie liegt bei amorphen Thermoplasten unterhalb der Glasübergangstemperatur und bei
teilkristallinen Kunststoffen zwischen der Schmelz- und der Glasübergangstemperatur.
Trotzdem lassen sich geringe bis mittlere Verbindungsgüten und -festigkeiten erzielen. Das
Warmumformnieten ist ein vergleichsweise kostengünstiges Verfahren, das für Teile mit mittlerem
Qualitätsanspruch eingesetzt wird. Besonders vorteilhaft sind die kurzen Prozesszeiten.
Eintaktprozess
- Stempel setzt auf Nietdome auf
- Stempel verformt den Nietdom
- Stempel formt den Nietkopf aus
- Stempel hebt ab Nietkopf kühlt ab
Vorteile
- kostengünstiges Verfahren
- kurze Prozesszeiten
Nachteile
- mittlere Nietqualität
- Materialanhaftung bei kritischen Kunststoffen
2.2 Heißstempelnieten
Beim Heißstempelnieten handelt es sich um ein Zweitaktprozess. Die Wärmeeinbringung erfolgt
durch einen heißen Stempel.
Die eigentliche Ausformung des Nietkopfes erfolgt mit einem Kaltstempel in einer separaten
Station. Durch die nachgeschaltete Kühlphase unter Druckeinfluss und Formzwang wird eine
geringere Relaxation des Kunststoffes erreicht. Die Stempeltemperatur liegt im allgemeinen jedoch
über 300 °C, damit die benötigte Wärme in kurzer Zeit eingebracht wird. Es lassen sich gute
Presssitze zwischen den Fügepartnen erzielen. Bei diesem Fügeverfahren liegt eine
vergleichsweise lange Prozesszeit vor.
Zweitaktprozess
- Heizstempel setzt auf dem Nietdome auf
- Nietdom wird in Kaltstempelstation ausgeformt
- Kaltstempel kühlt Nietkopf ab
- Stempel hebt ab Nietkopf kühlt ab
Vorteile
- hohe Nietqualität
- kurze Prozesszeiten
Nachteile
- Materialanhaftung bei kritischen Kunststoffen
2.3 Heißluftnieten
Das Heißluftnieten arbeitete in der Aufwärmphase kontaktlos. Ein kontinuierlich umlaufender
Heißluftstrom erwärmt den Nietzapfen. Auch hier erfolgt die Ausformung des Nietkopfes mit einem
Kaltstempel in einer separaten Station. Durch die nachgeschaltete Kühlphase unter Druckeinfluss
und Formzwang wird eine geringere Relaxation des Kunststoffes erreicht. Die
Erwärmungstemperatur liegt in der Regel höher als 300 °C. Um gleichbleibende
Prozessbedingungen beim Erwärmen zu erhalten, ist eine übergreifende Steuerung und Regelung
aller Parameter unumgänglich.
Entscheidenden Einfluss hat die Luftmengen-Überwachung. Die Ausströmdüse bestimmt als
weiteres, wichtiges Element die Luftführung. Sie wird je nach Anwendungsfall gestalterisch
ausgelegt und angepasst. Somit treten beim Heißluftnieten ebenfalls nur geringe
Relaxationsprozesse auf, so dass feste Verbindungen mit einem sehr guten Presssitz erreicht
werden. Mit diesem Verfahren können grundsätzlich alle thermoplastischen Kunststoffe verarbeitet
werden.
Zweitaktprozess
- Aufwärmphase des Nietzapfen kontaktlos
- Ausformung des Nietzapfens in separater Kaltstempelstation
- Kaltstempel kühlt Nietkopf ab
Vorteile
- hohe Nietqualität
- keine Materialanhaftung
- homogene Erwärmung des Nietzapfens
Nachteile
3. Maschinentechnik
Im Allgemeinen werden die Anlagen zum Nieten der Kunststoffteile als Zweitakt - Anlage
ausgeführt. Eine Möglichkeit zur Verkürzung der Gesamtzykluszeit für den Nietprozess ist der
Einsatz von Rundtakttischen. In dem nachfolgend aufgeführten Beispiel, ist ein Motordeckel aus
Kunststoff mit einem Metallblech zu vernieten. In der Heizstation wird die erforderliche Wärme
durch Wärmeleitung in die Nietzapfen eingebracht. In einer zweiten Station, der Kaltstempeleinheit,
werden die homogen erwärmten Nietzapfen unter Druckeinfluss und Formzwang ausgeformt.
4. Schlusswort
Bedingt durch die unterschiedlichen Materialeigenschaften der thermoplastischen Kunststoffe und
den hieraus resultierenden Randbedingungen beim Plastifizieren sind die einzelnen
Verfahrensvarianten entstanden. Der Vorteil dieser Verfahren besteht darin, dass gerade Kunststoff -
Metallverbindungen bzw. artfremde Werkstoffe mit einem spielfreien Presssitz hergestellt werden
können. Dabei werden Festigkeitswerte im Bereich der Materialkennwerte des Kunststoffes erzielt.
Speziell durch die Weiterentwicklung des Heißluftnietens ist in jüngster Zeit ein weites
Anwendungsspektrum im Bereich von Hybridbauteilen entstanden.
Schweißnahtgestaltung
Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige Schweißverbindung ist eine fachgerechte und
anwendungsbezogene Fügenaht- Gestaltung. Gerne stehen wir Ihnen bei der schweißgerechten
Auslegung Ihrer Kunststoffteile mit Rat und Tat zur Verfügung.
Die Verfahrensbeschreibungen wurden auf die wichtigsten Grundlagen beschränkt. Gemäß Teledienstgesetz weisen
wir darauf hin, dass unsere Verfahrensbeschreibungen KLN - Produkt- und Firmeninformationen enthalten. Alle
Angaben ohne Gewähr. Änderungen im Sinne des technischen Fortschritts vorbehalten.

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