Verfahrensbeschreibung für Rotationsreibschweißen
Einleitung
Neben dem wohl bekanntesten "mechanischen" Schweißverfahren, dem Ultraschallschweißen,
werden zum Schweißen von Formteilen weitere Reibschweißmethoden eingesetzt. Dazu gehört
das Vibrationsschweißen sowie das Rotationsschweißen. Das Einsatzgebiet der einzelnen
Verfahren wird im allgemeinen durch die Größe, die geometrische Gestaltung sowie das Material
der Formteile bestimmt. Die drei genannten Reibschweißverfahren konkurrieren in der Praxis sehr
selten miteinander. Alle drei Verfahren ergänzen sich in der Anwendung hinsichtlich Material, Form
und Qualitätsanspruch.
Verfahrensbeschreibung
Beim Rotationsschweißen wird die Wärme, die zum Plastifizieren des Materials benötigt wird,
durch Grenzflächenreibung zwischen den beiden Formteilen erzeugt. Das aufzuschweißende Teil
wird in eine rotierende Bewegung gebracht, während das zweite Fügeteil fest fixiert bzw.
verdrehgesichert arretiert ist.
Das rotierende Fügeteil wird durch geeignete konstruktive Maßnahmen, wie das Anbringen von
Stegen, Nasen oder Verrippungen, durch den Rotationsmitnehmer kraftschlüssig in Bewegung
versetzt. Beim Schweißprozess wird auf die Fügeteile ein Axialdruck ausgeübt, durch die
auftretende Grenzflächenreibung und daraus resultierende Scherwärmung wird der Kunststoff im
Bereich der Fügefläche angeschmolzen. Im wesentlichen kann diese Technik nur bei Formteilen
eingesetzt werden, die eine rotationssymmetrische Fügefläche besitzen. Dabei sollte die
geometrische Gestaltung der Fügeflächen in Stufen oder keilförmiger Ausführung ausgelegt sein.
Die Schweißzeit liegt beim Rotationsschweißen bei etwa einer Sekunde und damit in einem sehr
wirtschaftlichen Bereich.
Verfahrensprinzip Rotationsschweißen
Antriebsseite
Teil 1 kraftschlüssig Teil 2 fest fixiert
FA
Die Verbindungsflächen berühren sich in folge der Axialverschiebung, eine Axialkraft wird
aufgebracht
FA

Das Material wird plastifiziert und der Schweißwulst entsteht.
FA

Die Reibzeit ist beendet und der Antrieb wird abgebremst.
2.1 Einsatzbereich
Das Rotationsschweißen findet vorwiegend beim Schweißen von Rohren bzw. Flanschen -
Rohrverbindungen sowie beim Schweißen von Spritz- und Blasformteilen Anwendung.
Das Verfahren kommt in der Regel dann zum Einsatz, wenn die gestellten Anforderungen durch die
Ultraschallverbindungstechnik nicht prozesssicher zu realisieren sind. Dies kann sowohl durch die
Form als auch durch das Material der Fügeteile gegeben sein. Die schweißbare Materialpalette
sieht ähnlich aus wie beim Ultraschall - Schweißen.
Darüber hinaus sind Kunststoffe, die beim Ultraschallschweißen aufgrund des ungünstigen
Dämpfungsverhaltens Schwierigkeiten bereiten, wie z.B. Polyamide, teilweise mit hohem
Glasfaseranteil, und verstärkte bzw. unverstärkte Polyolefine, für das Rotationsschweißen gut
geeignet. Die Schweißverbindung zeichnet sich durch hohe mechanische Festigkeit und Dichtheit
aus. Zum Erreichen einer optimalen Schweißverbindung ist die Wahl bzw. Auslegung der
Schweißnahtgeometrie der entscheidende Faktor.
Des weiteren wird die Qualität der Schweißverbindung durch das ausreichende Fließen der
Schmelze beeinflusst.
Der Ablauf des Schweißprozesses gliedert sich im wesentlichen in folgende Phasen:
Die Reibphase wird in eine Vorreibphase und eine Hauptreibphase unterteilt. In der Vorreibphase
erfolgt die Angleichung der Fügeflächen. In der anschließenden Hauptreibphase werden
Temperaturunterschiede in der Schmelzeschicht ausgeglichen. Nach Ablauf der Hauptreibphase
und Stillstand des Rotationsmitnehmers, beginnt die Haltezeit unter Druck, wobei der Haltedruck
vom Reibdruck abweichen, d.h. in Abhängigkeit von Material und Fügenahtgestaltung als erhöhter
Nachdruck bzw. Verdichtungsdruck erfolgen kann. Müssen die Fügeteile in einer bestimmten
Winkelposition zueinander gefügt werden, erfolgt dieser Vorgang durch das winkelgenaue
Positionieren bzw. Stoppen des Mitnehmers.
3. Maschinentechnik
Für den Antrieb des Rotationsmitnehmers stehen zwei Varianten zur Verfügung, diese sind luft-
und elektromotorische Antriebe. In der Praxis hat sich der Elektromotor gegenüber dem
luftgetriebenen Motor durchgesetzt. Durch den Einsatz von elektrisch angetriebenen
Rotationsmitnehmern werden die Qualitäts- bzw. Festigkeitsforderungen an die Schweißverbindung
in der Regel besser erfüllt.
Luftgetriebene Motoren mit hoher Drehzahl sind für kleine Bauteile, wie z.B. Lüftungsstutzen
geeignet. Der Motor ist mit einer Schwungmasse kombiniert, die benötigte kinetische Energie
speichert. Durch das nur schwer kontrollierbare Abbremsen der Schwungmasse ist eine
reproduzierbare Positionierung des Fügeteils in der Regel nicht möglich.
Moderne Anbieter verwenden daher Drehstrom- Servomotoren, die in Verbindung mit einer
Positioniereinrichtung den exakten Stop des Rotations- Mitnehmers mit einer reproduzierbaren
Positioniergenauigkeit von +/- 0.5° gewährleisten.
Die wesentlichen baulichen Kriterien einer Rotationsschweißmaschine sind:
- Stabilität des Maschinenaufbaus
- Ein im Verhältnis zum Schweißteil leistungsgerechter Antriebsmotor
- Präzise, unwuchtfreie Verbindung von Motor, Rotationseinheit und Mitnehmer
Die wichtigsten Einstellparameter einer Reibschweißmaschine sind:
- Drehzahl
- Reibzeit
- Positionierstop
- Variable Druckstufen für die Reibzeit
- Abweichende Druckstufen für die Kühlzeit
- Betriebsart; ( wegabhängiges Triggersystem, druck- / kraftabhängiges Triggersystem
Im allgemeinen wird als Betriebsart ein wegabhängiges Triggersystem eingesetzt, d.h. es erfolgt
ein rotationsloses Aufsetzen des Mitnehmers und das damit verbundene Ansprechen eines
Triggerpunktes. Nun kann über einen konstanten Schweißweg (Wegmeßsystem) oder die
gewünschte Anzahl der Rotationsumdrehungen geschweißt werden. Durch beide Betriebsarten ist
ein konstanter Schweißweg gewährleistet.
4. Qualitätssicherung
Wie unter dem Kapitel Maschinentechnik bereits ausgeführt, verfügen moderne
Reibschweißanlagen über die verschiedensten Einstell- bzw. Schweißparameter, verbunden mit
verschiedenen Betriebsarten, den Trigger- und Wegmeßsystemen, werden in sorgfältiger
Abstimmung zueinander, prozesssichere Schweißergebnisse gewährleistet. Darüber hinaus
werden durch eine umfangreiche Qualitätssicherung folgende Werte in einer einstellbaren
Bandbreite überwacht, und, wenn erforderlich, dokumentiert.
- Schweißtiefe
- Schweißzeit
- Zustelldruck
- Druckstufen (Anfahr- und Schweißdrücke)
- Fügedruck
- Motordrehzahl
5. Schlusswort
Die geschilderten Ausführungen zeigen, dass das Rotationsschweißen ein prozesssicheres
Verfahren ist. Ein Verfahren, bei dem mit vergleichsweise kurzen Zykluszeiten gearbeitet wird und
somit eine hohe wirtschaftliche Effizienz erreicht wird. Durch die stetige Weiterentwicklung der
Maschinentechnik, findet das Rotationsschweißen im steigendem Maße in den vielseitigsten
Anwendungen seinen Einsatz.
Schweißnahtgestaltung
Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige Schweißverbindung ist eine fachgerechte und
anwendungsbezogene Fügenaht- Gestaltung.
Gerne stehen wir Ihnen bei der schweißgerechten Auslegung Ihrer Kunststoffteile mit Rat und Tat
zur Verfügung.
Anwendungsbeispiele:
- Automobilindustrie
- Haushalts- und Weißgeräteindustrie
Sanitär- und Installationstechnik
Die Verfahrensbeschreibungen wurden auf die wichtigsten Grundlagen beschränkt. Gemäß Teledienstgesetz weisen
wir darauf hin, dass unsere Verfahrensbeschreibungen KLN - Produkt- und Firmeninformationen enthalten. Alle
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