Verfahrensbeschreibung für Heizelementschweißen
1. Einleitung
Das Fügeverfahren "Heizelementschweißen" gehört heute in der Serienfertigung von Halbzeugen
und Formteilen aus thermoplastischen Kunststoffen zu den wichtigsten Fügetechniken. Eine große
Vielfalt an Produktgeometrien und – größen lassen sich mit diesem Verfahren wirtschaftlich
verbinden. Speziell eignet sich das Verfahren zum Schweißen von komplizierten dreidimensionalen
Fügeflächen. Ein weiterer Grund für den Einsatz des Verfahrens ist, bezogen auf die weiten
Anwendungsgebiete, der hohe Automatisierungsgrad und die genaue Reproduzierbarkeit der
heutigen Maschinen. Gleichzeitig kann eine große Bandbreite an Kunststoffen geschweißt werden.
Aufgrund der flexiblen Einstellmöglichkeiten der Prozessparameter wie Temperatur, Zeit, Druck und
Weg lassen sich unterschiedliche Kunststoffe, soweit physikalisch möglich, miteinander verbinden.
2. Verfahrenstechnik
Beim Heizelementschweißen werden die Fügeflächen der zu schweißenden Formteile mit Hilfe
eines beheizten Heizelements (Siegel) durch Kontakt oder Strahlungswärme erwärmt und
anschließend unter Druck gefügt. In der Praxis wird überwiegend die Kontakt –
Heizelementschweißtechnik eingesetzt. Bei diesem Verfahren handelt es sich um ein
Mehrstufenverfahren, da die Erwärmung und das Fügen der Formteile zeitlich getrennt von einander
ablaufen. Nach dem die Fügeteile in einem Aufnahmewerkzeug fixiert worden sind werden sie
gegen elektrisch beheiztes Heizelement gefahren.Mit dem Kontakt der Fügeflächen am
Heizelement beginnt der Schweißprozess, der sich in die Prozessphasen Erwärmen, Umstellen
und Fügen unterteilt.
Phase 1: Angleichen und druckloses Erwärmen
Phase 2: Umstellen
Phase 3: Fügen und Abkühlen
2.1 Angleichen und druckloses Erwärmen
Bedingt durch Toleranz liegen die Fügeteile in der Regel zu Beginn des Schweißprozesses nicht
ganzflächig an dem Heizelement an.
Zum Ausgleich der Toleranzen und des vorhandenen Verzuges werden die Fügeteile mit
konstantem Druck so gegen das Heizelement gedrückt, bis die Fügeflächen ganzflächig am
Heizelement anliegen.
Der zum Angleichen notwendige Druck bzw. die Zeit stehen in keiner Abhängigkeit und müssen
anhand von Versuchen bestimmt werden. Der Angleichvorgang endet mit dem Erreichen eines
begrenzenden Anschlages oder des vorgegebenen Weges. Nachfolgend beginnt die nahezu
drucklose Erwärmungsphase, durch die tiefer liegende Materialzonen aufgrund der Wärmeleitung
erwärmt werden, so dass es zum Aufbau einer Schmelzschicht kommt. Die Wahl der
Erwärmungszeit ist abhängig von den Material-, Bauteil- und verfahrenstechnischen
Gegebenheiten. Die erforderlichen Erwärmungszeiten und damit verbundenen
Schmelzschichtdicken müssen daher durch Versuche ermittelt werden.
2.2 Umstellen
Nach Beendigung des Angleichens und der Erwärmung, werden die Fügeteile durch Zurückfahren
der Maschinenschlitten vom Heizelement abgehoben. Mit dem Abheben vom Heizelement beginnt
die Umstellphase, in der das Heizelement aus dem Fügebereich herausgefahren wird.
Anschließend werden die Fügeteile durch die Maschinenschlitten zum Fügen unter Druck
zusammengefahren. Die für die Umstellphase notwendige Zeit muss so kurz wie möglich gehalten
werden, um die Schweißfähigkeit der Fügeteile zu erhalten. Da es während der Umstellphase zu
keiner weiteren Erwärmung der Fügebauteile kommt, ist ein Temperaturabfall an den
Fügebereichen nicht zu vermeiden. Die Umstellzeit resultiert aus dem Verfahrweg und der
Schlittengeschwindigkeit, die sich beim Umstellen ergibt.
2.3 Fügen und Abkühlen
In der Fügephase beginnt der eigentliche Fügevorgang der zu schweißenden Teile. Durch den
wirkenden Fügedruck wird die homogene Verbindung der Schmelze erzeugt, wobei ein Teil der
Schmelze als Schweißwulst nach außen gedrückt wird. Der Fügeweg wird in der Regel durch
mechanische Anschläge, kombiniert mit einer entsprechenden Positionsabfrage, realisiert. Das
Ende des Fügevorganges ist erreicht wenn keine Fließvorgänge mehr stattfinden. Nach dem
Abkühlen der Fügebereiche können die Teile entnommen werden. Eine Belastung der Teile
während der Entnahme und der anschließenden Lagerung bis zur vollständigen Abkühlung ist zu
vermeiden.
3. Maschinentechnik
Die Heizelementschweißmaschinen lassen sich in Standard- und Sondermaschinen einteilen. Bei
Standardmaschinen ist es möglich, die Heizelemente und die Aufnahmewerkzeuge
auszutauschen, so dass Formteile mit unterschiedlich gestalteten Fügegeometrien verschweißt
werden können. Erfahrungsgemäß werden bei optimaler Schweißparameterwahl und durch den
Einsatz entsprechender Maschinentechnik hochfeste Verbindungen erreicht, die auch im
Langzeitverhalten den meisten Schweißverfahren überlegen sind. Die hohe Schweißqualität ist
nicht zuletzt auf die hervorragende Steuerbarkeit des Schweißablaufes zurückzuführen. Die
gewünschten Temperaturen und ihre Einwirkzeit zum Plastifizieren der Formteile werden über die
Steuerung der Maschine exakt geregelt. Speziell während der Erwärmung der Fügeteile
(Angleichphase) lassen sich durch die individuellen Einstellmöglichkeiten der Temperatur auch
Werkstoffkombinationen mit unterschiedlichen Fließeigenschaften verbinden.
3.1 Aufbau und Bauart
Es kommen zwei grundsätzliche Bauarten zum Einsatz:
Bei Anlagen mit vertikaler Heizelement – Anordnung erfolgt die Teilhandhabung in horizontaler
Arbeitsausrichtung.
Heizelement in vertikaler Ausrichtung
Anlagen mit horizontalen Heizelement – Anordnungen werden überwiegend für die Herstellung von
Serienteilen gewählt.
Heizelement in horizontaler Ausrichtung
Als Antriebssystem für den Fügezyklus dienen vorzugsweise, hydraulische, pneumatische und
servomotorische Baueinheiten.
Speziell zur Realisierung von kurzen Umstellzeiten werden servomotorische Antriebe eingesetzt.
3.2 Heizelemente
Die notwendige Wärme wird üblicherweise durch elektrische Heizpatronen erzeugt. Bei der
Auslegung der Heizelemente muss darauf geachtet werden, dass eine möglichst gleichmäßige
Temperaturverteilung auf der Arbeitsfläche erreicht wird. Zum Erreichen einer effektiven
Wärmeabgabe wird bei der Auswahl der Heizelementmaterialien ein möglichst gut wärmeleitender
Werkstoff verwendet. Je nach Erwärmungsart, sowie Formgebung der Teile, werden
unterschiedliche Heizelementaufsätze verwendet.
Dabei kommen folgende Erwärmungsarten zum Einsatz:
- Kontakt – Erwärmen bei einer Temperatur von 180°C bis 270 °C (Normaltemperaturbereich)
- Hochtemperatur – Schweißen bei einer Temperatur bis ma. 400°C
- Strahlungs – Erwärmen mit bis zu 600°C
Bei dem Kontakt – Erwärmen von 180°C bis 270°C werden die Aufsätze bzw. Wechselplatten
meist mit einer PTFE – Beschichtung versehen. Es besteht auch die Möglichkeit, als
Zwischenlage zwischen dem Heizelement und dem Fügeteil ein PTFE – Glasfasergewebe
einzusetzen. Allerdings kann dies nur bei flachen Schweißebenen verwendet werden.
Bei Verwendung von Aufsätzen mit komplizierten Konturen wird in der Regel einen PTFE –
Beschichtung eingesetzt. Für die Hochtemperatur – Schweißung sowie Strahlungs – Erwärmung
kommen PTFE – Beschichtungen auf keinen Fall in Frage. Hier werden Heizelemente aus anderen
gut leitenden, möglichst korrosionsbeständigen Metallen, eingesetzt.
3.3 Aufnahmewerkzeuge
Die Werkzeuge sorgen für eine exakte Positionierung der Formteilhälften sowie für die
Positionierung der Teile während des gesamten Arbeitszyklus. Wichtig ist die Passgenauigkeit mit
möglichst geringem Versatz. Die Formteile können dabei mittels Vakuumsauger oder durch
pneumatische sowie mechanische Spannhilfen exakt fixiert werden. In der Regel werden die
Aufnahmewerkzeuge aus Aluminium nach CAD – Daten gefertigt. Für kleine Stückzahlen und
schwierig anpassbare Konturen, kommen auch Gießharztypen mit entsprechenden Füllstoffen zum
Einsatz.
3.4 Standard- und Sonder- Maschinen
Die Standardmaschinen sind grundsätzlich auch bezüglich der Steuerungstechnik für
Normaltemperatur (bis 270°C) sowie Hochtemperatur – Schweißen (400°C) geeignet. Optional
können diese Anlagen je nach verfahrenstechnischen Anforderungen mit verschiedenen
Antriebssystemen ausgerüstet werden. Auch können verschiedene Abmaße von Heizelementen, je
nach Formteilabmessungen, eingesetzt werden. Der Einsatz von Heizelementen, mit getrennten
Temperaturführungen für die verschiedenen Heizelementen ist vorgesehen.
Zu den Sondermaschinen werden modifizierte Standardmaschinen sowie Spezialmaschinen mit
entsprechenden Formelementen, Zuführungstechnik usw., also aufgabenbezogener Peripherie,
gezählt. Modifizierte Standardmaschinen sind zum Beispiel Anlagen, die zur Erhöhung der
Produktivität mit Drehtischen und gegebenenfalls mit automatischen Bestückungs- und Entnahme-
Geräten versehen sind.
4. Schlusswort
Als Nachteil lässt sich im Vergleich zum Ultraschall- und Vibrationsschweißen die längere Taktzeit
des Verfahrens aufführen. Eine Reduzierung der Taktzeit ist über das Schweißen im
Hochtemperaturbereich (400°C) möglich, soweit der Anwendungsfall dies erlaubt, das Verfahren
findet Anwendung für eine breite Produktpalette thermoplastischer Bauteile. Als Vorteile müssen
bei diesen Verfahren eindeutig die hohe Reproduzierbarkeit und die hohen Festigkeitswerte
aufgeführt werden.
Schweißnahtgestaltung
Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige Schweißverbindung ist eine fachgerechte und
anwendungsbezogene Fügenaht- Gestaltung. Gerne stehen wir Ihnen bei der schweißgerechten
Auslegung Ihrer Kunststoffteile mit Rat und Tat zur Verfügung.
Die Verfahrensbeschreibungen wurden auf die wichtigsten Grundlagen beschränkt. Gemäß Teledienstgesetz weisen
wir darauf hin, dass unsere Verfahrensbeschreibungen KLN - Produkt- und Firmeninformationen enthalten. Alle
Angaben ohne Gewähr. Änderungen im Sinne des technischen Fortschritts vorbehalten.

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